[Review] DevilDriver – Outlaws ‚Til The End – Vol. 1


Review

Galerie mit 49 Bildern: DevilDriver – With Full Force 2012

Aus seinem Faible für die Country-Musik der dreckigeren, düstereren und raueren Machart hat Dez Fafara nie einen Hehl gemacht. Das JOHNNY-CASH-Shirt ist für den DEVILDRIVER-Fronter seit vielen Jahren stetiger Bühnenbegleiter und auch im Tourbus geht für den Chef der „Californian Groove Machine“ laut eigener Aussage eindeutig Slide-Gitarre über Staccato-Picking. Auch wenn die seit geraumer Zeit fast gänzlich neuformierten DEVILDRIVER-Instrumentalisten in den aktuellen Making-Of-Videos Gegenteiliges behaupten, kann man das Metal-Country-Cover-Projekt „Outlaws ‚Til The End – Vol. 1“, das dieser Tage als DEVILDRIVER-Album getarnt erschienen ist, daher wohl mit relativer Sicherheit als Fafaras Herzensprojekt bezeichnen.

Nichts genuin Neues

„Outlaws ‚Til The End – Vol. 1“ enthält zwölf Songs, die zumindest Fafara dem Genre des sogenannten „Outlaw-Country“ zuspricht. Neben CASH verdienen sich diese Zuordnung Haudegen wie HANK3, HANK JR., STEVE EARLE, RICHARD THOMPSON, aber auch ein stilistisch durchaus breiter gefächertes Kollektiv wie THE EAGLES. Die Tatsache, dass der gut vernetzte Dez sich zur angemessenen Ehrerbietung der Gesetzlosen einige große Feature-Gäste wie Randy Blythe (LAMB OF GOD), JOHN CARTER CASH (der Sohn der Söhne), WEDNESDAY 13, Burton C. Bell (FEAR FACTORY) und andere an Bord geholt hat, unterstreicht den Projekt-Charakter des offiziell achten DEVILDRIVER-Albums einmal mehr.

Musikalisch hat man das DEVILDRIVER-Korsett dabei keinen Zentimeter gelockert. Der unverwechselbare Sound aus dominierender Double-Bass und durchaus abwechslungsreicher (Melo)-Death-Schule von Mike Spreitzers Griffbrett hebt sich zwar durch die Gesangsgäste von allen bisherigen DEVILDRIVER-Alben ab – etwas genuin Neues, wie von Fafara mehrfach angekündigt, ist dabei aber beim besten Willen nicht entstanden.

Eine unter  die Modern-Metal-Wand gemixte Slide-Gitarre hier oder ein einigermaßen cringy inmitten des Sturmes intoniertes “ Yippie-Ya-Yay“ dort definieren einfach noch kein Genre neu. „Outlaws ‚Til The End“ ähnelt in vielen Momenten der durchaus abgründigen Punk-Goes-Pop-Reihe von Fearless Records. Nur halt noch weniger kurios. Southern-Elemente sind schließlich spätestens seit „Pray For Villains“ keine Neuheit mehr im DEVILDRIVER-Sound.

Der Outlaw-Country droht im DEVILDRIVER-Korsett zu ersticken

Am egalsten sind dabei die von Dez Fafara allein bestrittenen Songs, am meisten überzeugt wie so häufig Randy Blythe (vor allem auf dem zum Blackened-Death-Metal-Klopper mutierten „Whiskey River“, der ein einziges Mal wirklich Mut als Cover beweist). Auch „Copperhead Road“ und „Dad’s Gonna Kill Me“ mit Brock Lindow (36 CRAZYFISTS) und Burton C. Bell (FEAR FACTORY) stechen positiv hervor. Dem gegenüber stehen das völlig zerhackte „The Man Comes Around“ oder die seltsame Industrial-meets-Slide-Gitarren-Version von „Outlaw Man“ und ein insgesamt sehr inkohärent und ohne künstlerischen Schlachtplan zusammengeschustert wirkendes Album.

Man hätte sich einen Dez gewünscht, der es vielleicht auch mal clean versucht (dass er das kann, hat er vor einigen Jahren schon einmal in einem durchaus countryesken Nebenprojekt mit Mark Morton von LAMB OF GOD unter Beweis gestellt). Man hätte sich eine Produktion gewünscht, die den Songs wenigstens einmal etwas Raum lässt und keine überproduzierte, unambitioniert und ohne Dynamik durchgetretene Double-Bass-Maschine. Wenn der Rezensent das Prinzip „Outlaw-Country“ nach Dez Fafara richtig verstanden hat, so ist die Freiheit dabei zentral. Eingeschnürt im DEVILDRIVER-Korsett will sich diese Freiheit einfach nicht so recht auf den Hörer ohne Country-Sozialisation übertragen.

Top Blogs Blogs Directory