[Review] Alter Bridge – Live at the Royal Albert Hall


Galerie mit 12 Bildern: Alter Bridge – Rock Am Ring 2014

ALTER BRIDGE ist zwar eine die wenigen Modern-Rock-Bands aus den USA, die auch in Europa größere Hallen vollbekommt, aber in ihrer Heimat ist die Nachfolge-Band von CREED nochmal eine ganze Ecke größer als in unseren Breitengraden. Ihre Live-Alben nehmen die Herren um Gitarrist Mark Tremonti jedoch seit jeher vor europäischem Publikum auf. So auch ihre neueste Veröffentlichung „Live at the Royal Albert Hall“, die in London aufgenommen wurde.

Anwesend waren dabei nicht nur einige hundert jubelnde Fans, sondern auch, passend zum royalen Veranstaltungsort, ein Orchester. Die Zusammenarbeit mit Orchestern gibt es im Hard Rock seit Jon Lord vor knapp 50 Jahren den Rest von DEEP PURPLE dazu verdonnerte, mit klassischen Musikern zusammenzuarbeiten. Gab es damals noch einen kleinen Kulturschock für das Royal Philharmonic Orchestra, als ihnen die ungewaschenen Rocker aus der englischen Provinz gegenüberstanden, funktionieren solche Kollaborationen heutzutage entspannter. Das Parallax Orchestra ist deutlich lockerer drauf und wird von Simon Dobson geleitet, der mit Undercut, Tunnel und Nasenpiercing die restlichen Musiker dirigiert.

ALTER BRIDGE und Orchester – kann das funktionieren?

Jegliche Skepsis, ob ALTER BRIDGE nicht ein bisschen zu überambitioniert waren, als sie mit der Planung dieser Veröffentlichung begannen, verfliegt direkt mit dem ersten Song. „Slip to the Void, der atmosphärische aber auch irgendwie träge Opener ihres dritten Albums, wird durch das Orchester zu einem epischen und mitreißenden Stück Musik, das die Marschrichtung für den Rest des Albums vorgibt. Doch lassen sich damit gut zwei Stunden Spielzeit füllen?

Kurzum: Ja. Der Sound von ALTER BRIDGE – so lautet die Erkenntnis bereits nach wenigen Minuten – eignet sich perfekt dazu, von einem Orchester begleitet zu werden. Das mag daran liegen, dass die Amis vor allem jene Songs für das Konzert ausgesucht haben, die vor Kitsch und Pathos nur so triefen. In diesem Punkt hat die Band also alles richtig gemacht.

Kitsch und Pathos – von ihrer besten Seite.

Richtig gut ist die Band auch musikalisch drauf. Mark Tremonti an der Gitarre und Myles Kennedy am Mikro sind ja ohnehin als Meister ihres Fachs bekannt, haben sich für „Live at the Royal Albert Hall“ aber noch einmal besonders ins Zeug gelegt. Auch der Rest der Band steht dem in nichts nach und spielt sich professionell, aber auch unterhaltsam durch das Set. Da geraten die Orchester-Musiker tatsächlich manchmal etwas ins Hintertreffen und drohen unterzugehen. Dadurch kommt die klassische Musik nicht immer ganz zu ihrem Glanz, funktioniert aber immer noch in ihrer begleitenden Rolle.

Für diese Review lag nur die Audio-Version vor, ein Blick auf den YouTube-Kanal macht aber deutlich, dass die Video-Variante jeden zusätzlichen Euro wert sein dürfte. Klar, als zwei Stunden langes Live-Album hat „Live at the Royal Albert Hall“ natürlich seine Längen und wer die schwülstige Lyrik von ALTER BRIDGE noch nie ertragen konnte, wird sie um so unangenehmer spüren. Fans der Band können aber bedenkenlos zugreifen oder sich das Album schon einmal auf den weihnachtlichen Wunschzettel schreiben.

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