[Review] Brant Bjork – Mankind Woman


Es ist März des Jahres 2018. Während Deutschland sich von einer hartnäckigen Kältewelle erholt, schwitzt BRANT BJORK in der Villa seiner Frau Zaina Alwan in Kalifornien. Im Zainaland genannten Anwesen können sich Reisende und Künstler einmieten, die entweder die Wüste rum um die Kleinstadt Twentynine Palms erkunden oder in aller Abgeschiedenheit arbeiten wollen. Verständlich also, dass Bjork das Angebot seiner Frau nutzt und sich für die Aufnahme seines neuen Albums „Mankind Woman“ dort einquartiert.

BRANT BJORK hat die Welt gesehen und ist trotz allem der relaxte Rocker aus dem staubigen Südkalifornien geblieben. Bei den Stoner-Rock-Gründervätern von KYUSS saß er am Schlagzeug und gelangte Anfang der Neunziger zu Ruhm. Als bei der Band langsam die Luft raus war, hatte er bereits bei den Nachzüglern von FU MANCHU einen Fuß in der Tür und verbrachte mit der Band den Rest des Jahrhunderts.

BRANT BJORK reist zurück in die goldene Ära der Rockmusik

Gleichzeitig arbeitete er an seiner Solo-Karriere und brachte 1999 das Album „Jalamanta“ heraus, auf dem er zeigte, dass er neben dem Schlagzeug auch alle anderen Instrumente und den Gesang übernehmen konnte. Danach baute er das Projekt immer weiter zu einer richtigen Band aus, bei der sich die anderen Musiker aber standesgemäß zu beinahe jedem Release die Klinke in die Hand gaben.

Die Zusammenarbeit mit der LOW DESERT PUNK BAND läuft nun jedoch schon seit einigen Jahren. Mit ihnen nahm Brant 2014 das Album „Black Power Flower“ auf und bekam auf seinem nächsten Album „Tao of the Devil“ von 2016 unter anderem Unterstützung von Bubba Dupree, dem Gitarristen der Wüstenpunks. Dupree stammt aus der Hardcore-Szene der Ostküste und hat ebenfalls eine bewegte Karriere hinter sich. In den Achtzigern machte er mit der Band VOID die Bühnen unsicher, hat sich inzwischen aber in Kalifornien niedergelassen.

„Mankind Womand“ – Ein Album für Müßiggänger

Für „Mankind Woman“ haben Bjork und Dupree eng zusammengearbeitet und elf Songs fabriziert, die sie innerhalb von zwei Wochen in Zainaland aufnahmen. Mit seinem trockenen Sound und einfachen Songstrukturen fügt es sich nahtlos in die Stoner-Rock-Historie von BRANT BJORK ein. Doch während die Einflüsse klassischer Rockmusik der Sechziger und Siebziger allgegenwärtig sind, fehlen die Energie und der kernige Sound, die andere Bands des Genres wie zum Beispiel FU MANCHU oder CLUTCH auszeichnen.

„Mankind Woman“ ist ein Album zum Entspannen geworden. Ruhig und harmlos wehen die Songs an einem lauen Herbsttag aus den Boxen und versprühen die Wärme der Wüste. Vielleicht sind sie aber auch etwas zu zahnlos, zu austauschbar. Die Verehrung alter Rock-Songs, die aus verstaubten Jukeboxen schallen, geht vielleicht etwas zu weit und lässt den eigenen Stil der Musiker zwischen x-mal gehörten Licks und Bassläufen untergehen. Die fehlende Reibungsfläche mag ein Grund dafür sein, dass dem Album ein Stück Faszination verloren geht. Egal: In Zainaland ist ein Album für Müßiggänger entstanden – im besten Sinne.