[Review] Ice Sword – Dragon Magic


Mächtige Schwingen nähern sich der Metal-Gemeinde: ICE SWORD donnern mit „Dragon Magic“ hernieder, um zu trennen mit gerechtem Feuer die Spreu vom Weizen. Oder wenigstens die coolen Kinder von denen mit den falschen Patches oder gar no patches at all. Denn was die aufrechten Herren aus Flagstaff, Arizona mit ihrem Debüt nach ihrem lässigen Demo und ohne Label im Rücken erschaffen haben, ist tatsächlich ein riesiges, ein faszinierendes, ein magisches Monster.

„Dragon Magic“ ist große Kunst …

„Dragon Magic“ erzählt aus der Ich-Perspektive und äußerst inbrünstig eine Nerd-Geschichte zwischen Westeros, Mittelerde, Eternia und DIO, die es in sich hat. Inhaltlich sei nicht zu viel verraten, aber die Story entfaltet ihre fesselnde Wirkung ohnehin erst über ihre originelle musikalische Untermalung: ICE SWORD nämlich kreieren, ICE SWORD zelebrieren, ICE SWORD leben eine sehr originelle Form von eine kauzig-schrägem, durch und durch echten (Power) Metal, episch bis zum Anschlag und griffig im exakt richtigen Maß.

Neu erfunden werden kann und soll solche Art von Musik dabei schon aus Prinzip natürlich nicht. Meist im getragenen Tempo, aber von den Wendungen der Geschichte abhängig auch einmal rasant vorgetragen, bleiben Bezugnahmen auf die Großen natürlich nicht aus: „Dragon Magic“ klingt instrumental wie epische BATHORY (auch was die Produktion anbelangt …), die sich von SLOUGH FEG verführt eisern durch ein vergessenes, jungfräuliches MANILLA-ROAD-Epos regieren. ETERNAL CHAMPION heben salutierend die Klingen. Die Songs von ICE SWORD holen also gern groß aus ohne zu langweilen und ächzen und rumpeln an genau den richtigen Stellen.

… denn ICE SWORD haben die Zauberkraft

Endgültig magisch wird das Ganze allerdings erst durch die Details: Sänger Chris Shoriak transportiert die Kapitel der Heldensaga perfekt ausbalanciert zwischen Pathos und Melancholie, sodass all der Drachen-Kram und Fantasy-Schnickschnack tatsächlich packt und das Auge wissend zwinkernd, nicht beschämt zu Boden geht. Damit klingt der Gute (Fun Fact!) frappierend nach Hutch Harris von den verblichenen und auch nicht ganz normalen, dunklen Post-Pop-Punks THE THERMALS – wenn jenem denn der Sinn nach Keep It True und Nieten dazu gestanden hätte.
Shoriaks Stimme hat damit das gewisse Etwas, ist zudem durch kleine Wackler hie und da ebenso perfekt unperfekt wie der gesamte Rest.

Dies wiederum ist Erfolgs-Detail Nummer zwei: ICE SWORD schaffen es souverän, nicht zu souverän zu klingen. Sei es dem DIY-Ansatz geschuldet oder weiser Vorsatz: „Dragon Magic“ klingt an keiner Stelle glattpoliert, aufgeblasen und zugekleistert, gleichzeitig aber auch niemals stümperhaft und bemitleidenswert.

Und drittens wird das Debüt der fünf Krieger aus dem Eis veredelt durch eine Vielzahl an bedeutungsschwangeren Melodien, welche die Songs neben der Stimme vor allem tragen. Nicht zuletzt diese ins Ohr gehenden, nie seichten oder klebrigen Tonfolgen von Gitarre und Keytar (diesem Keyboard zum Umhängen) ziehen dich zielstrebig ins skizzierte Kingdom of Kauzness.

Fazit: Das hier ist total beknackter Nerd-Stoff, aber in undergroundfestivalcool und nicht in plastikschwertausgelachtwerdenuncool. Eisschwerter (und Doppel-Vinyl mit doppeltem Cover über Bandcamp) für alle! Ernsthaft.