[Review] Krisiun – Scourge Of The Enthroned


Das brasilianische Death-Metal-Trio KRISIUN wütet zum bereits elften Mal über die volle Albumdistanz – diesmal heißt das Ergebnis „Scourge Of The Enthroned“, und wenn man mal im Bild bleibt, schwingt die Geißel teils unnatürlich schnell durch die Luft, um dann im richtigen Moment doch mit voller Wucht das Ziel zu treffen. Die drei Brüder Alex, Max und Moyses sind also immer noch die schnellsten Knüppler Südamerikas und fahren ein akustisches Sperrfeuer ersten Ranges auf. Fans erwarten selbstverständlich nichts anderes und dürfen beruhigt zur Kenntnis nehmen, dass ihre Trommelfelle auch diesmal im flirrenden Maschinengewehr-Tempo malträtiert werden.

KRISIUN sind immer noch die schnellsten Knüppler Südamerikas

Allerdings haben bereits die letzten Alben gezeigt, dass KRISIUN ihre Sache auch differenzierter angehen können: Anders als beispielsweise auf dem furiosen Debüt „Black Force Domain“ nehmen die Brasilianer auch schon mal das Tempo raus und flechten langsame, ja sogar melodische Passagen mit ein. Ein Beispiel dafür, wie man das alles in einem Track unterbringt, ist das eröffnende „Scourge Of The Enthroned“: Dort steht ein fast epischer Beginn vom Stile von SLAYERs „Season In The Abyss“, bevor Gitarrist Moyses irrwitzige Tappings auf das Griffbrett legt und Trommler Max überirdisch schnelles und präzises Blastbeat-Geschepper aus seinen Handgelenken schüttelt. Ab der Mitte des Songs regieren dann aber walzende Grooves mit Thrash-Schlagseite, die eine Herausforderung für die Nackenmuskulatur des Hörers darstellen.

Vielseitig sind die Songs also, aber diesmal haben die Brüder auch die richtige Mischung aus Brutalität, Abwechslung und memorablen Passagen gefunden – „Demonic III“ und „A Thousand Graves“ sind nur zwei Beispiele dafür. Das war ja bei den letzten Alben schon mal ein Kritikpunkt. Gitarrist Moyses scheint manchmal mit der Brechstange zu agieren, aber man muss ihm lassen, dass seine Griffbrettattacken trotz aller Vehemenz eine gewisse Eleganz haben. Und man bekommt die Wirbelwindriffs halt nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis.

„Scourge Of The Enthroned“ fährt die richtige Mischung aus Brutalität, Abwechslung und memorablen Passagen auf

Klar, für Leute, die in erster Linie Melodien hören möchten, sind KRISIUN nach wie vor ungenießbar. Aber „Scourge Of The Enthroned“ will sich ja auch nicht anbiedern, genauso wenig wie es alle Extreme ausloten möchte. Dass die Brasilianer mit ihrem elften Album aber so souverän auf dem recht schmalen Grat zwischen Tradition und schon tausendmal Gehörtem wandeln, ist schon bemerkenswert. Wer also mit dem brasilianischen Todesbleitrio etwas anfangen kann, darf sich „Scourge Of The Enthroned“ ruhigen Gewissens zulegen.

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