[Review] High On Fire – Electric Messiah


Galerie mit 7 Bildern: High On Fire – Speedfest 2015

Man vergisst gerne mal, dass HIGH ON FIRE keine lupenreine Stoner-Metal-Band sind. Doch dann hört man Songs wie „Spewn from the Earth“, den Opener des neuen Albums der Kalifornier, und erinnert sich an die andere Seite der Band. Die ruppige Thrash-Metal-Nummer mit Sludge-Einschlag eröffnet „Electric Messiah“, das achte Album der Jungs um Sänger und Gitarrist Matt Pike in knapp 20 Jahren Bandgeschichte.

Matt hatte HIGH ON FIRE damals ins Leben gerufen, nachdem bei seiner vorherigen Band SLEEP die Lichter ausgegangen waren. Zwar haben sich SLEEP dieses Jahr mitsamt Matt und dem Top-Album „The Sciences“ zurückgemeldet, aber für sein anderes Baby hatte der Musiker anscheinend auch noch genügend Zeit. Nach den beiden sehr guten Vorgängern „De Vermis Mysteriis“ und „Luminiferous“ lag die Messlatte ziemlich hoch. Letzteres wurde im Jahr 2015 gar vom Rolling-Stone-Magazin zu einem der 20 besten Metal-Alben des Jahres gekürt.

„Electric Messiah“ knüpft an die starken Vorgänger an

Kurz gesagt: HIGH ON FIRE erreichen mit „Electric Messiah“ mühelos das Niveau der Vorgänger. „Die Band entwickelt sich immer weiter“, beschreibt Frontmann Matt Pike, was gerade passiert. „Das Album ist bei weitem die beste Veröffentlichung, die ich je mit HIGH ON FIRE aufgenommen habe. Es wird einfach immer besser und besser. Wir versuchen, uns selbst zu übertreffen.“ Das ist vielleicht etwas dick aufgetragen, denn die Band erfindet sich mit dem Album nicht gerade neu, sondern knüpft deutlich an die beiden Vorgänger an.

Gut, eine Kleinigkeit hat sich dann doch geändert. Die Band gibt häufiger als früher Vollgas, so wie beim eingangs genannten Opener. Nicht zuletzt der Titeltrack geht ordentlich nach vorne und erinnert nur noch entfernt an die Stoner-Rock-Wurzeln der Gruppe. Bei diesem Song handelt es sich übrigens um eine Verneigung an den verstorbenen MOTÖRHEAD-Frontmann Lemmy Kilmister, weshalb es nicht weiter verwundert, dass ein Riff an „Ace of Spades“ erinnert.

Auch der Grad an traditionellem Metal wurde noch einmal erhöht, was HIGH ON FIRE ein paar neue Fans einbringen könnte. Die alten Anhänger dürften aber auch zufrieden sein, denn das der Band eigene Feeling bleibt erhalten, der rotzige Mix aus dröhnendem Stoner Rock und angepisstem Metal funktioniert auch sechzehn Jahre nach „Surrounded By Thieves“ noch.

HIGH ON FIRE packen die Abrissbirne aus

Das ist nicht zuletzt auch dem fetten Sound zu verdanken, den CONVERGE-Gitarrero Kurt Ballou für „Electric Messiah“ gestaltet hat. An den beiden Vorgängeralben war er ebenfalls als Produzent beteiligt. Dazu noch einmal Matt: „Wir arbeiten richtig gut mit ihm zusammen. Es gibt natürlich manchmal Meinungsverschiedenheiten bei den Aufnahmen, aber er versteht uns und was wir machen. Wir gehen immer zu ihm zurück, weil wir mit ihm einfach noch nie ein schlechtes Album aufgenommen haben“.

Auf „Electric Messiah“ trifft dies auf jeden Fall zu. Das Album ist sehr gut geworden und dürfte dank seiner vielfältigen Einflüsse erneut eine große Bandbreite an Musikfans ansprechen. Diese Eigenschaft teilen HIGH ON FIRE mit ihren Kollegen von ORANGE GOBLIN, einen Kontinent weiter. Während die Briten deftige Nummern aber eher als seltene Farbtupfer einsetzen, gehört die Abrissbirne bei HIGH ON FIRE inzwischen zum festen Repertoire.

Dadurch galoppieren manche Songs wie „The Pallid Mask“ oder „Freebooter“ aber schon einmal am Zuhörer vorbei. Egal, die Qualität führt ihn aber immer wieder zur Musik zurück. Fans können einen oder gar zwei Punkte mehr geben und sich den „Luminiferous“-Nachfolger bedenkenlos auf den Einkaufszettel schreiben. Der Rest sollte mindestens einmal reinhören, um sich ein Bild zu machen. Enttäuscht dürfte jedenfalls keiner sein.

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