[Review] Uncle Acid & The Deadbeats – Wasteland


Mit „Wasteland“ gehen UNCLE ACID & THE DEADBEATS vorwärts – und zwar auf der musikalischen Zeitleiste. Album Nummer Fünf der englischen Occult-Doom-Stoner-Rock-Formation geht etwas beherzter und treibender zur Sache als die Vorgängerwerke und schielt aus den späten 1960ern auch vermehrt in die frühen 1970er-Jahre: Eine Annäherung an den prägenden Heavy Metal-Sound ihres Heimatlandes.

Neue Elemente im Sound von UNCLE ACID & THE DEADBEATS

Gewöhnungsbedürftig ist dieser leicht veränderte Sound schon etwas. UNCLE ACID & THE DEADBEATS gehen mit „Wasteland“ schließlich an den eigenen Marken- und Soundkern heran. Denn eigentlich hat man seinen eigenen, unverkennbaren Sound ja bereits gefunden und perfektioniert – und verpasst diesem mit „Wasteland“ dann doch eine kleine Frischzellenkur. Mehr herausgehobene Gitarrensoli, etwas mehr Uptempo, ein wenig mehr Tightness. All dies holt UNCLE ACID & THE DEADBEATS ein wenig aus der reinen Horror-Occult-Rock-Ecke heraus und erweitert nachvollziehbar das Sound-Repertoire der Band in Richtung Proto-Heavy Metal – „Shockwave City“ mag als Beleg hierfür herhalten.

Dass der stilistische Sprung dann aber doch nicht allzu groß wird, dafür ist gesorgt – gedacht wird also auch an den langjährigen Fan, der nicht allzu sehr überfahren werden, sondern eher sanft mitgenommen werden möchte. Hierfür steht insbesondere der Opener „I See Through You“, der ein mentales Ankommen in „Wasteland“ denkbar einfach macht. „Bedouin“ ist mit seinen verzehrten Trompeten tief im psychedelischen Rock-Sound der 1960er-Jahre zu verorten, der Titeltrack „Wasteland“ besticht durch seine akustische Hommage an die Ästhetik eines Spaghetti-Westerns und auch „No Return“ schwoft gemächlich-morbide vor sich hin.

„Wasteland“ ist dennoch unverkennbar UNCLE ACID & THE DEADBEATS

An die bekannten Elemente, wie den verzerrten Sound von Mastermind Kevin Starrs, den angenehm knarzigen Gitarrensound, die markanten Backing-Vocals und letztlich den beinahe poppigen Einsatz von eingängigen Melodien wagt man sich ansonsten nicht heran – und das macht „Wasteland“ trotz allem zu einem wachechten UNCLE ACID & THE DEADBEATS-Album.

Zusammen mit dem Sound liefert „Wasteland“ bandtypisch auch eine kleine Geschichte über eine trostlose, gedankenkontrollierende und tyrannische Endzeitwelt – eine gelungene Referenz auf die dystopischen Sci-Fi-Filme der frühen 1970er-Jahre.

Mit „Wasteland“ wagt die Band einen Schritt, der letztlich zu einer Emanzipierung von dem Über-Album „Bloodlust“ und mit Abstrichen auch „Mind Control“ führen kann. „Wasteland“ ist dieser Schritt sicherlich (noch) nicht, auch weil dem aktuellen Werk von UNCLE ACID & THE DEADBEATS die herausstechenden Hits wie „I’ll Cut You Down“ oder „Mind Crawler“ etwas abgehen. Dafür fällt „Wasteland“ insgesamt qualitativ ausgewogener und stimmiger aus.

Aufgrund der starken Diskographie der Band neigt man, beständig suchend nach dem nächsten Hit, ohnehin dazu einen strengeren Maßstab anzulegen, als dies unbedingt immer angemessen und letztlich gerecht ist – denn  „Wasteland“ geht wirklich gut in die Gehörgänge: Beweist das neue Album doch das große Talent der Band unterhaltsame und eingängige Rock-Songs zu schreiben und darzubieten.

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