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[Konzertbericht] Mr. Big – Defying Gravity Tour 2018 in Bochum


Konzertbericht

Billing: Mr. Big und Fozzy

Konzert vom 06.08.2018 | Matrix, Bochum

Die Zeiten in denen MR. BIG die Charts mit Schmachtballaden anführten und die großen Arenen füllten, sind längst vorbei. Im Jahr 2018 muss das Bochumer Matrix reichen. Das ist dafür aber trotz Montagabend gut gefüllt.

Die Mini-Playback-Show von FOZZY

FOZZY lassen als Intro den BLACK SABBATH-Klassiker „War Pigs“ laufen. Da ist eine gute Stimmung sofort garantiert. Wrestling-Star Chris Jericho und seine Mannen konnten offensichtlich einige Fans mobilisieren. In den ersten Reihen werden FOZZY abgefeiert, als wären sie der heutige Headliner-Act. Wie schon auf der STEEL PANTHER-Tour im Frühjahr erfüllen sie ihren Anheizer-Job mehr als solide. Jericho ist eben ein erfahrener Entertainer und hat daher kein Problem, auch die Nicht-FOZZY-Fans schnell für sich zu gewinnen. Der Sound ist druckvoll, vor allem bei den härteren Stücken wird er aber ein wenig matschig.

Der größte Wehmutstropfen ist allerdings der Gesang. Zum einen wird Chris Jericho immer von mindestens einem Background-Sänger unterstützt, der im Mix so laut ist, dass seine Stimme kaum noch zu hören ist. Zum anderen hallt so mancher Schrei länger aus den Boxen, als er sein Mikrofon an den Lippen hält. So auffällig ist der Einsatz von Playbacks sonst nur bei W.A.S.P.

Bei MR. BIG zählt die Musik

Die anschließende Umbaupause dauert überraschend lange. Doch als MR. BIG die Bühne betreten ist jeder Unmut vergessen. Die vier sympathischen Ausnahmemusiker rocken mit einem absoluten Top-Sound los . Eric Martin ist gut bei Stimme. Jeder Ton sitzt und auch in den hohen Lagen schwächelt er zu keiner Sekunde. Zwischen den Songs verbreitet er mit seinen amüsanten Ansagen eine gute Stimmung. Auf seine Frage, ob der Großteil des Publikums aus Bochum komme, bekommt er zwar keine eindeutige Antwort. Seiner guten Laune tut das aber keinen Abbruch.

Doch nicht nur der Frontmann überzeugt an diesem Abend vollends. Da ist zum einen Gitarrist Paul Gilbert. Sein Spiel ist nicht nur virtuos und abwechslungsreich, sondern auch stets songdienlich. Einzig in seinem rund fünfminütigen Solospot, in dem alle Scheinwerfer auf ihn gerichtet sind, lässt er die Muskeln spielen und ruft seine gesamten Shredding-Künste ab.

Ein emotionales Ende

Ebenso beeindruckend ist Bassist und Bandleader Billy Sheehan. Der bearbeitet seinen Bass bekanntermaßen gerne mal, als wäre er eigentlich Gitarrist. Genau wie Gilbert setzt er seine Fähigkeiten immer im Sinne der Musik ein. Und die Musik hat es in sich. Neben Chart-Hits wie dem CAT STEVENS-Cover „Wild World“ sowie dem unvermeidlichen „To Be With You“, das vom Publikum lauthals mitgesungen wird, gibt es die volle Hard-Rock-Breitseite.

Am Ende des mit 80 Minuten recht knapp geratenen Sets hält Billy Sheehan noch eine emotionale Rede im Andenken an Pat Torpey. Die aktuellen Club Shows seien noch mit dem verstorbenen Schlagzeuger gebucht worden und deshalb etwas ganz besonderes für MR. BIG. Einen großen Dank spricht er Matt Starr aus, der in die Topeys Fußstapfen tritt. Danach entlässt die Band ihre glücklichen Fans in den Rest des Abends.

[Review] Send Request – Perspectives


Hundstage. Time to defend Pop Punk (again).

SEND REQUEST aus Pennsylvania zielen mit analogem Fotogerät voll auf die nach Sonnenmilch und Sommerregen duftende Nostalgie vergangener Hitzeperioden. Rückblickende Verklärung fungiert als Weichzeichner für die frühen 2000er, damit sich aus den richtigen „Perspectives“ betrachtet alle Alten noch einmal jung und alle Jungen wieder vom Weltschmerz befreit fühlen können.

SEND REQUEST gelingt ein guter Start

Das funktioniert vor allem dann durchaus ordentlich, wenn SEND REQUEST es schaffen, den schmalen Grat zwischen Catchiness, schmissigen Punk-Vibes und Schmalz überwiegend sicher zu beschreiten. Lyrisch natürlich durchgängig zu vernachlässigen, bietet vor allem die erste Albumhälfte zumindest einige wirklich eingängige Refrains und dynamisches Songwriting für das offene Autofenster. Ein Song wie „Antisocial War“ erinnert dabei zum Beispiel angenehm an frühe BILLY TALENT.

Im späteren Verlauf von „Perspectives“ gewinnt dann allerdings der Pop etwas die Oberhand gegenüber dem Punk und das Album driftet bisweilen in die Beliebigkeit ab. „When Everything Falls Apart“, „Trust“ und „If I Stay“ geht das Mitreißende ab. Bei cleanem Gitarrengeklimper und schmachtendem Teenie-Gesang ziehen die Songs relativ unbemerkt vorbei (mit Ausnahme der sich im Midtempo unvorteilhafterweise in den Vordergrund drängenden Lyrics). Hier wird der gute Start von „Perspectives“ ein wenig zunichte gemacht.

Ein weiter Weg bis zum nächsten großen Pop-Punk-Ding

Insgesamt gelingt SEND REQUEST mit „Perspectives“ ein leicht überdurchschnittliches Pop-Punk-Album dessen Halbwertszeit jedoch durchaus begrenzt ist. Wer sich ab und an mit ein bisschen A DAY TO REMEMBER oder CAROUSEL KINGS auflockert, und den Black Metal mal Black Metal sein lässt, der könnte mit „Perspectives“ seinen Spaß haben. SEND REQUEST funktionieren als Äquivalent eines leichten Sommer-Snacks, auf den man manchmal in kleinen Mengen Lust verspürt, der aber weder geschmacklich komplex ist noch großartige Sättigung verspricht. Für den Pool-Party-Dauerbrenner müssen die Jungs aus Pennsylvania noch eine gute Schippe drauflegen. Das Niveau der großen Genre-Spaßmacher erreichen sie noch zu keinem Zeitpunkt.

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